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Pilze im eigenen Garten züchten

„Local Food“ ist wortwörtlich in aller Munde. Slogans wie „Think Global, Act Local“ motivieren auch eine junge Generation dazu, sich mehr mit dem Ursprung ihrer Nahrungsmittel auseinanderzusetzen. Die Versorgung mit vorwiegend regional produzierten Lebensmitteln gehört für viele schon zur Einkaufsplanung dazu – der Anbau eigener Lebensmittel liegt als Hobby zusätzlich im Trend.

Nahrung selber anbauen liegt im Trend

Die Selbstversorgung mit Lebensmitteln fasziniert in diesem Sinne viele, die nicht den Platz oder die Zeit haben, diesem Anspruch voll gerecht zu werden. Diese Sehnsucht nach selbstgezogenen Lebensmitteln wird nicht selten mit Tomaten im Topf oder einem Kräuter- und Gemüsebeet befriedigt. Ungewöhnlicher ist da immer noch, auch Pilze selbst zu züchten – dabei eignen sich zahlreiche Pilze hervorragend zur privaten Kultivierung.

Pilze sind nicht nur eine nahrhafte, eiweißreiche und besonders kaliumhaltige Nahrung. Auch für die vegetarische Bewegung gewinnen Pilze eine immer größere Bedeutung als Fleischersatz, sind aber generell äußerst vielseitig einsetzbar. Noch dazu handelt es sich auch um ein relativ anspruchsarmes, teils mehrjähriges Gewächs. Regelmäßige Pflege entfällt, je nach Kultivierungsart, sogar fast vollständig.

Gewusst wie, lässt sich im eigenen Garten, dem Balkon oder gar auf der Fensterbank eine Pilzfarm einrichten, die eine neue Art der Selbstversorgungserfahrung ermöglicht. Schließlich gibt es viele leckere  Gerichte auf Pilzbasis.

Die verschiedenen Arten der Pilzzucht

Bekanntlich handelt es sich bei Pilzen vornehmlich nicht um den von uns so bezeichneten, oberirdischen Fruchtkörper – dieser dient letztlich nur der Vermehrung und unserer Ernährung. Der größte Teil des außergewöhnlichen Gewächses befindet sich permanent unter der Oberfläche und durchzieht seinen Nährboden mit fein verästelten Fäden – Myzel genannt. Dieses Myzel kann richtig riesig werden. Ein Hallimasch gilt als der größte und schwerste Organismus der Welt –  sein Myzel zieht sich durch sage und schreibe 900 Hektar Erdboden und ist geschätzte 2400 Jahre alt.

Je nach Pilzsorte, die kultiviert werden soll, müssen verschiedene Substrate, also Nährböden, für das Myzel zur Verfügung gestellt werden. Grundsätzlich lassen sich drei Anbaumethoden von Pilzen differenzieren:

  1. Fertige Pilzkurboxen. Das ist das Rundum Sorglos Paket, das fertig beimpft zu Hause eintrifft. Es will nur noch gewässert, dann korrekt platziert und bald auch schon geerntet werden. Für Anfänger ist diese Anbaumethode besonders gut geeignet. Nachteilig sind die relativ hohen Kosten am Gesamt-Erntegewicht bemessen und, dass das richtige Selbstversorger-Feeling hier nicht aufkommen will – immerhin entfällt die eigenständige Vorbereitung.
  2. Stroh-oder Erdsubstrate, die man selbst beimpft. Hier ist mehr Geduld gefragt, da das Myzel erst einmal das Wachstumsmedium durchdringen und Nährstoffe sammeln muss, bevor der begehrte Fruchtkörper ausgebildet werden kann. Der geerntete Pilz ist hier aber schon eine eigene Errungenschaft und die Kosten-Nutzenrechnung fällt bereits positiver aus.
  3. Selbstgeimpfte Totholzkulturen für den eigenen Garten, die zwar Geduld erfordern, aber wenig pflegebedürftig sind und viele Jahre lang erntefähige Pilze hervorbringen – und zwar bis das Holz zersetzt ist. Hier liegt der heilige Gral der Selbstversorgung mit Pilzen. Einmal vorbereitet und angesetzt ist die kleine Pilzfarm ein Selbstläufer, der saisongetreu für reiche Pilzernten im eigenen Garten sorgt.

ChampignonsAllerdings eignen sich nicht alle Formen der Pilzzucht auch für alle Pilzsorten. Der beliebte Champignon beispielsweise ist vornehmlich auf Fertigkulturen kultivierbar und leider kaum frei im eigenen Garten anzusiedeln. Die deutlich exklusiveren, berühmten Pilzsorten Shiitake, Austernpilz oder Limonenpilz aber eignen sich auch hervorragend zum Anbau auf Totholz im eigenen Garten. Der Austernpilz kann sogar im Erd-Beet angebaut werden.

Anbau von Pilzen auf Totholz

Die meiner Ansicht nach interessanteste Form der Pilzzucht im eigenen Garten benötigt ein wenig mehr Geschick und erfordert ein wenig Know-How. Auch Geduld ist gefragt, denn eine Ernte ist nach Beimpfung des Stamms im Frühjahr frühestens im Folgejahr zu erwarten, wenn das Myzel sich ausreichend im Baumstamm ausgebreitet hat. Dann aber kann man mit mehreren Jahren reicher Ernte rechnen.

Die Wahl des Holzes

Als Grundlage herhalten sollte ein möglichst weiches, frisches Holz, das vor weniger als zwei Monaten geschlagen wurde. Ältere Hölzer können bereits so genannte Konkurrenzpilze enthalten, die natürlich unerwünscht sind. Da die Rinde viel Feuchtigkeit speichert, sollte diese gut erhalten sein. Alternativ eignet sich auch Buchenholz oder andere Obstgehölze für die Aufzucht von Shiitake, Austernpilz und Co.

Von der Dicke des Holzes hängt es ab, wann mit der ersten Ernte zu rechnen ist. Ist der Stamm zwischen 15 und 20 Zentimetern dick, braucht das Myzel etwa ein Jahr, bis es Fruchtkörper ausbilden kann. Grundsätzlich können aber – etwas Geduld vorausgesetzt – auch größere Stämme verwendet werden.

Impfung des Stammes mit dem Myzel

Für diese Anbaumethode werden im Fachhandel Holzdübel angeboten, die bereits mit dem entsprechenden Myzel durchwachsen sind. Entsprechende Shops möchte ich hier nicht bewerben – es gibt mittlerweile aber auch zahlreiche Anbieter. Anleitungen zum Anbau sind beim Kauf in der Regel enthalten und lesen sich wie folgt:

Um den Baumstamm zu impfen werden Löcher in das Holz gebohrt, die später die Holzdübel aufnehmen können. In der Regel wird eine spiralförmige Bohrung empfohlen. Je mehr Dübel gesetzt werden, desto schneller und besser kann sich der Pilz ausbreiten. Die ersten sieben bis zehn Wochen sollte der Baumstamm frostfrei, im Schatten und windgeschützt gelagert werden.

Möchte man gleich mehrere, dünne Hölzer beimpfen, kann man diese auch Stapeln. Dabei ist auf ausreichende Durchlüftung zu achten – das Holz sollte also im Blockhüttenstil aufzuschichten. Während der Durchwachszeit kann dieser Stapel dann aber auch mit einer Folie abgedeckt werden, um die Luftfeuchtigkeit zu erhöhen und das Pilzwachstum zu fördern.

Der genaue Ablauf der Kultivierung hängt im Detail natürlich von Pilzsorte und Starterkultur ab. Da helfen dann die Hinweise der Myzel-Hersteller weiter. Mit dieser kleinen Anleitung hoffe ich aber, Lust auf die eigene Pilzzucht gemacht zu haben – so schwierig ist es nämlich nicht!